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Forschungsprojekt Prof. Dr. Heike Weber

Nach dem Konsum: Zur Geschichte des Hausmülls im deutsch-französischen Vergleich, 1880er-1970er Jahre

Das laufende Habilitationsprojekt Nach dem Konsum: Zur Geschichte des Hausmülls im deutsch-französischen Vergleich, 1880er-1970er Jahre) untersucht das Aufkommen des Problems "Müll" in der urbanen Agglomeration des späten 19. Jahrhunderts und seine darauf folgende technische Bewältigung im deutsch-französischen Vergleich. Die im Städtischen entstehende Massenkonsumgesellschaft ging mit steigen­den Müllmengen, neuen Müll­zu­sammensetzungen sowie einem Wandel von Entsorgungs­methoden einher; die Ein­stellungen dazu, was als "Müll" wegzuwerfen sei, veränderten sich. In den 1970er Jahren schließlich hatte sich das städtische Hygiene­problem des Mülls zu einem globalen Umweltproblem ausgeweitet.

Zentrales Ziel der Untersuchung ist es, anhand des Mülls Zäsuren im Mensch-Umwelt-Verhältnis und im Stoffumsatz (Metabolismus) einer Gesellschaft heraus­zu­arbeiten. Zugleich geht es um oft unsichtbare Alltagspraxen: Im Privaten entschieden überwiegend (Haus)Frauen, wie und wann "private" Reste als Müll oder Altstoffe an die öffentliche Sphäre zurück gelangten und in welche Kanäle - Müllabfuhr, Altstoffhandel, gemeinnützige Wiederverwerter etc. - sie eingebracht wurden. Des Weiteren analysiert das Projekt regionale Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowie Fragen des transnationalen Wissens- und Kulturtransfers zwischen franzö­sischen und (west)deutschen Großstädten und ihren Entsorgungsinfrastrukturen.

Betrachtet wird also die häusliche "Produktion" von Abfällen ebenso wie die abseits davon stattfindende "Entsorgung", um die Geschichte des Mülls als eine Wechsel­wirkung zwischen Konsum, Entsorgung, Hygiene- und Umwelt­vorstellungen und einem sich wandelnden Umgang mit Stoffen und Dingen darstellen zu können. Hierzu wird der Müll in seiner stoffgeschicht­lichen Dimension erfasst, statt dem simplifi­zierenden Begriff des "Mülls" aufzusitzen, der sich im 20. Jahrhundert allmählich durchsetzte und die Heterogenität des Stoffgemischs negierte. Der lange Betrachtungszeitraum sowie der deutsch-französische Vergleich ermöglichen es, erstens langfristig wirkende kulturelle Muster im Stoff- und Müllumgang herauszuarbeiten und zweitens auf die einschneidende Rolle der zwei Weltkriege, als Abfallstoffe zu Ressourcen umgedeutet wurden, hinzuweisen. Drittens werden die historischen Wurzeln des "grünen" Recyclings deutlich. Damit bearbeitet die Studie eine historische Entwicklung, deren Konturen für das Verständnis der aktuellen Abfalldebatte zentral sind und verbindet Sozial-, Technik- und Geschlechtergeschichte mit der Umwelt­geschichte sowie der Umweltwissenschaft.

Zusammenhängend mit dem Projekt habe ich eine von der DFG geförderte Konferenz (Re/Cycling Histories: Users and the Paths to Sustainability in Everyday Life) am Rachel Carson Center for Environment and Society. Deren Ergebnisse wurden unter anderem in der Zeitschrift Contemporary European History veröffentlicht.