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    19.12.2018, 18 Uhr, N.10.20[mehr]

Forschungsprojekt Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer

Vom Vorrücken des Staates in die Fläche: Ein europäisches Phänomen des langen 19. Jahrhunderts

Die Entstehung des modernen Staates ist eng mit der Ausweitung der zentralen Staatsgewalt auf die lokale Ebene des Staatsgebietes verknüpft, die nicht zuletzt durch den Aufbau von Bürokratien und die Ausweitung von Staatstätigkeit erfolgte. Beteiligt daran waren sowohl lokale Amtsträger, die als zunehmend professionell ausgebildete Beauftragte der Staatsgewalt agierten, als auch traditionelle Eliten, die nicht selten noch kurz zuvor Herrschaftsträger eigenen Rechts gewesen waren. Wollten die staatlichen Beauftragten Projekte zur Entwicklung der Gesamtgesellschaft implementieren, so konnte ihnen dies nur gelingen, wenn sie sich erfolgreich innerhalb der traditionellen lokalen Machtbeziehungen verorteten. Entsprechend war Herrschaft vor Ort im Europa des 19. Jahrhunderts durch komplexe Kommunikations- und Interaktionsprozesse gekennzeichnet. Der in Vorbereitung befindliche Band untersucht daher anhand von zwölf europäischen Beispielen Prozesse des Staatsausbaus als Aushandlungsprozesse zwischen den Agenten der Zentralgewalt und jenen der lokalen Gesellschaften, speziell der ökonomisch Mächtigen sowie sozial Einflussreichen unter ihnen und zeigt, dass das Vorrücken des Staates in die Fläche dabei nicht als unaufhaltsamer Vormarsch der staatlichen Bürokratien, sondern als vielfach diskontinuierlicher Prozess darstelle. Die Fallbeispiele reichen von England bis Griechenland und von Spanien bis zum zarischen Russland und schließen auch verschiedene deutsche Territorien ein.

Das Buch ist 2016 im Böhlau-Verlag erschienen.

Rezension:
Dieter Langewiesche/Sehepunkte