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Forschungsprojekt Prof. Dr. Arne Karsten

Risorgimento rivisited

Die Einigung Italiens unter Führung der Dynastie Savoyen in den Jahren zwischen 1848 und 1866 erscheint im öffentlichen Geschichtsbild bis heute als eine heroische Erfolgsgeschichte, in der historische Notwendigkeit in Gestalt der Ausbildung eines Nationalstaates und vorausschauend-verantwortungsbewusste Politik zusammenfanden. Ihre Protagonisten, Camillo Benso di Cavour, „einer der größten Politiker, die je gelebt haben“ (Gustav Seibt) und Giuseppe Garibaldi, der „Held zweier Welten“, gelten bis heute nicht nur in Italien als politische Lichtgestalten.

Doch beruht diese Sicht der Dinge und Personen auf einer recht willkürlichen Interpretation der Ereignisse aus der Perspektive der Sieger. Kritische Stimmen zeitgenössischer Beobachter wurden hingegen lange Zeit schlechterdings nicht zur Kenntnis genommen. Berücksichtigt man sie, so wandelt sich das Bild grundlegend. Streng genommen kann von einer „Einigung“ Italiens überhaupt nicht die Rede sein. Vielmehr handelte es sich bei den dem Anschluss Süditaliens vorangehenden Ereignissen in den Jahren 1860/61 um die Eroberung durch den Norden, bei der freilich weniger militärische Auseinandersetzungen im engeren Sinn eine Rolle spielten, als vielmehr die vorangehende Aushöhlung der überkommenen Herrschaftsstrukturen durch Bestechung und Verrat. Zu untersuchen sind in diesem Zusammenhang die außerordentlich geringen Bindungen der neapolitanischen Eliten an die Bourbonen-Dynastie und ihre Bereitschaft, sich mit den neuen Machthabern aus dem Norden zu arrangieren.

Weiterhin sollen die Auswirkungen des Zustandekommens der „Einigung“ auf die Entwicklung des Königreich Italiens untersucht werden, und zwar besonders im Hinblick auf die militärischen Strukturen als eines Kernbereichs staatlicher Aktivität. Das katastrophale Versagen sowohl des Heeres als auch der Flotte Italiens im Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg 1866, in dem die Niederlagen bei Custoza und Lissa gegen einen beide Mal weit unterlegenen österreichischen Gegner das Prestige des Militärs nachhaltig erschütterten, werfen die Frage nach den Ursachen der geringen Leitungsfähigkeit des italienischen Militärs ebenso auf, wie sie die Untersuchung der Folgen des militärischen Versagens für die Entwicklung der Autorität des Staates als Instanz zur Regulierung gesellschaftlicher Konflikte nahelegen.

 

Publikation

Triumph der Todgeweihten. Wie die Flotte der moribunden k.u.k. Monarchie die Schiffe des aufstrebenden Königreich Italiens in den Adriagrund bohrte, in: Arne Karsten und Olaf B. Rader: Grosse Seeschlachten. Wendepunkte der Weltgeschichte von Salamis bis Skagerrak, München 2013, S. 263-289.