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Studentische Hilfskraft

Kerstin Peters

Aktuelles

  • Florenz 2018
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  • Verlegung der Sprechstunde
    Herr Prof. Dr. Jochen Johrendt[mehr]
  • Étienne Doublier: Institutionalisierungsprozesse im Spiegel urkundlicher Überlieferung
    Öffentl. Antrittsvorlesung, Di. 29.05., 18 Uhr c.t., O.07.24[mehr]
  • Spuren des Zweiten Weltkrieges in Wuppertal
    Rundschau-Artikel vom 28. April 2018[mehr]
  • Sekretariat in den Pfingstferien geschlossen
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Die Historischen Hilfswissenschaften

Unter Historischen Hilfswissenschaften (auch Historische Grundwissenschaften genannt) versteht man diejenigen Disziplinen, die für die Erschließung, Aufwertung und Aufbereitung historischen Quellenmaterials herangezogen werden, wobei der Fokus nicht so stark auf den Inhalt, sondern vielmehr auf die Originalgestalt und die Überlieferungsform der jeweiligen Quellen gelegt wird. Hilfswissenschaftliche Kenntnisse ermöglichen auf diese Weise Historikerinnen und Historikern, vormoderne, meist handschriftliche Quellen überhaupt finden, entziffern, lesen und kritisch auswerten zu können. Aus der Auseinandersetzung mit den äußerlichen Merkmalen der herangezogenen Materialien kann sich darüber hinaus eine Fülle an kultur-, verwaltungs-, kanzlei-, bibliotheks- und archivgeschichtlichen Informationen ableiten, die zu einem besseren Verständnis des Entstehungszusammenhangs sowie der Überlieferungsgeschichte der jeweiligen Quellen beitragen.

 

Der „Fächerkanon“

Obwohl je nach Quellengattung und Fragestellung alle wissenschaftlichen Disziplinen als methodische und handwerkliche Hilfsmittel herangezogen werden können, hat sich seit den bella diplomatica des 17. Jahrhunderts und dann vor allem im Zuge der Entwicklung der historisch-kritischen Quellenforschung als selbstständige Wissenschaft ein durchaus offener „hilfswissenschaftlicher Fächerkanon“ herauskristallisiert, zu dem folgende Disziplinen, Methoden und Arbeitsgebiete gehören:

- Die Diplomatik oder Urkundenlehre ist die älteste Historische Hilfswissenschaft und beschäftigt sich mit den verschiedenen Merkmalen antiker, mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Urkunden sowie mit deren Echtheit, Überlieferung und historischem Wert.

- Die Sphragistik (Siegelkunde) untersucht die physische Beschaffenheit, die äußerlichen Merkmale und die Funktionen von Urkundensiegeln.

- Die Chronologie (Zeitrechnung) befasst sich mit den verschiedenen Formen der Datierung und ihrer Anwendung vor allem in Urkunden.

- Die Paläographie (Schriftkunde) ist zusammen mit der Diplomatik eine der beiden grundlegenden Disziplinen der Historischen Hilfswissenschaften und beschäftigt sich mit der Entwicklung und den Formen der Schrift.

- Die Kodikologie (Handschriftenkunde) beschäftigt sich mit Entstehung, Herkunft, Aufbau, Inhalt und Geschichte eines Codex (handgeschriebenes Buch).

- Die Archivkunde ist die Lehre von allen in Akten entstandenen Unterlagen, die aufgrund ihres historischen und/oder rechtlichen Wertes in Archiven nach bestimmten Kriterien aufbewahrt werden.

- Die Aktenkunde befasst sich mit der Entstehung, den Formen, der Archivierung und Aufbewahrung spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Akten.

- Die Epigraphik (Inschriftenkunde) untersucht Inschriften bzw. Aufschriften auf verschiedenen Materialien, darunter auf Stein, Marmor, Metall und Holz.

- Die Editionstechnik oder Editorik beschäftigt sich mit den Formen und Kriterien der kritischen Herausgabe von (meist handschriftlichen) Quellen.

 

Weitere hilfswissenschaftliche Disziplinen:

- Realienkunde

- Insignienkunde

- Numismatik (Münzkunde)

- Heraldik (Wappenkunde)

- Genealogie (Personen- und Familienforschung)

- Historische Geographie

- Neue Medien-Kunde

 

Schwerpunkte an der Bergischen Universität Wuppertal

Behandelt werden im Rahmen der an der Bergischen Universität Wuppertal angebotenen Lehrveranstaltungen vor allem die beiden „grundlegenden“ Disziplinen „Diplomatik“ und „Paläographie“ sowie auch die „Editionstechnik“ und die „Archivkunde“. Anwendung findet dabei ein praxisorientierter Ansatz, durch den die Studierenden in die Lage versetzt werden sollen, Quellen in ihrer Originalgestalt selbst erschließen, auswerten und aufbereiten zu können. Besonderer Wert wird auch auf die Kooperation mit den lokalen Archiven gesetzt.

Forschungsschwerpunkte liegen auf der päpstlichen Diplomatik, der Kanzleipraxis der römischen Kurie, der Schriftlichkeit mittelalterlicher Klöster (vor allem der Bettelorden), auf den Formen und Trägern der Überlieferung im hochmittelalterlichen Italien.