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Schriftlichkeit am päpstlichen Hof

12. Interdisziplinäre Sommerakademie

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Sommerakademie vor dem Eingang zu den MGH.

Der Bibliothekar der MGH, Prof. Dr. Arno Mentzel-Reuters, führt die Studierenden in den Umgang mit Fragmenten aus den Beständen der MGH ein.

Die Teilnehmer bei der konkreten Arbeit an den Fragmenten.

Die diesjährige Sommerakademie wurde erneut von den Universitäten Aachen, Düsseldorf und Wuppertal sowie den Monumenta Germaniae Historica in Kooperation mit dem Mediävistenverband durchgeführt. Die Federführung lag dieses Mal bei den MGH. Es war die zweite Sommerakademie mit einer dezidiert paläographisch-editorischen Ausrichtung. Erneut lagen zahlreiche Bewerbungen aus dem In- und Ausland vor, von denen 22 berücksichtigt werden konnten. Diese 22 Studierenden widmeten sich vom 28. Juli bis zum 1. August in München dem Thema Schriftlichkeit am päpstlichen Hof in einer Mischung aus Einführung in einzelne Themenbereiche und praktischen Leseübungen an Briefen, Urkunden, Handschriften und Fragmenten in ihrer originalen Gestalt.

Aus der Vielfalt der Schriftlichkeit am päpstlichen Hof konnten aufgrund der begrenzten Zeit nur einige Beispiele herausgegriffen werden. So widmete sich die Sektion unter der Leitung von Eva Schlotheuber (Düsseldorf) der Poenitentiarie und der Aufarbeitung ihrer Akten im Repertorium poenitentiariae Germanicum mit dem Fokus auf erzwungenen Klostereintritten in Frauenkonventen. Auch die beiden folgenden Sektionen stellten offizielle Dokumente der Kurie und ihrer Beauftragten in den Vordergrund. So bot Irmgard Fees (München) einen luziden Überblick über die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Papsturkunden im Hochmittelalter und Harald Müller (Aachen) führte die Sommerakademieteilnehmerinnen und -teilnehmer anhand konkreter Stücke in die delegierte Gerichtsbarkeit ein. Briefsammlungen im kurialen Umfeld thematisierte Karl Borchardt (München) anhand der Briefsammlungen nach Petrus de Vinea. In dieser Sektion trat am Beispiel ausgewählter und zu kollationierender Stellen zunehmend das editorische Handwerk in den Vordergrund. Die restlichen drei Sektionen widmeten sich der Schriftlichkeit über Päpste und aus deren eigener Feder. So verdeutlichte Jochen Johrendt (Wuppertal) anhand der Gesta Innocentii den genrespezifischen Zugang der Papstviten zu ihren Protagonisten, während die beiden letzten Sektionen Werke des Eneas Silvio Piccolomini behandelten, Martin Wagendorfer (Innsbruck) die Historia Austrialis und Duane Henderson (München) den Dialogus de donatione Constantini. Und auch hier standen paläographische Übungen und der editorische Umgang mit den konkreten Textzeugen im Vordergrund.

Einen Höhepunkt der Sommerakademie bildete der Besuch der durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den MGH. Nach einem herzlichen Empfang und einer Einführung in Institutsgeschichte und -aufgaben durch Martina Hartmann führte Arno Mentzel-Reuters in die Bibliothek und das Archiv der MGH ein. Den Abschluss bildete die Umsetzung des bisher Behandelten an Originalen anhand von bei den MGH verwahrten Fragmenten von Handschriften aus dem 9. bis 15. Jahrhundert.

Insgesamt empfanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Mischung aus thematischen Einführungen, praktischen (Lese-)Übungen, theoretischer Reflexion, Einübung von Editionstechniken und der Übung an Originalen als sehr gelungen. Dies sowie die vergleichsweise hohe Zahl der Bewerber bestärken die Veranstalter darin, das Format fortzusetzen.