Dissertation von Irina Schmiedel

Botanisches Wissen am Hofe Cosimos III. zwischen Wissenschaft und Repräsentation

Thema des Dissertationsprojektes ist der Umgang mit botanischem Wissen um 1700 am Beispiel des späten Medici-Großherzogtums in der Toskana. Ein erster Blick vermittelt ein Panorama zwischen wissenschaftlich-analytischer und visuell-repräsentativer Beschäftigung mit der Pflanzenwelt. Bei der Auffassung und Verbreitung von Wissen können sowohl eher private, lokale Faktoren als auch öffentliche, internationale Anliegen eine Rolle spielen. Die hier angeführten Begriffspaare erzeugen ein Spannungsfeld, innerhalb dessen sich die verschiedensten Schattierungen ablesen lassen.

Ausgangspunkt der Analysen sind das Casino della Topaia nahe Florenz sowie die beiden toskanischen botanischen Gärten in Pisa und Florenz. Im Zusammenhang mit diesen „geographisch bestimmbaren“ Orten stehen „Kataloge“, die über die botanische Bedeutung der jeweiligen Orte Auskunft geben. Bartolomeo Bimbis (1648-1729) botanische Stillleben, die in la Topaia untergebracht waren, dokumentieren Vielfalt und Besonderheiten der toskanischen Flora und stehen dabei in engem Zusammenhang mit dem Garten der kleinen Villa. Parallel zu diesem „gemalten Katalog“ wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Kataloge der beiden botanischen Gärten publiziert, in denen die verschiedenen Pflanzenarten und -varietäten akribisch aufgelistet wurden. Sowohl Bimbis Bilder als auch die gedruckten Kataloge der botanischen Gärten stützen sich zu unterschiedlichen Teilen auf bildliche und textliche Elemente, um Information zu erzeugen und zu verbreiten.

Diese Orte und die mit ihnen in Verbindung stehenden pikturalen und textuellen Medien können wiederum als Räume der (Re-)Präsentation und Organisation botanischen Wissens verstanden werden, in denen unterschiedliche Abläufe stattfinden: ein Garten wird eingerichtet und unterhalten, eine Bildersammlung wird konzipiert und inszeniert, Gemälde, Zeichnungen und Drucke werden entworfen und ausgeführt… Dahinter stehen weitere, abstrakte räumliche Kategorien, denen unterschiedliche Ordnungsstrukturen zu Grunde liegen und die verschiedene Intentionen und Rezeptionsvorgaben kommunizieren. Diese konkreten und abstrakten Wissensräume werden von sozialen Räumen umgeben und konstituiert. Mitglieder des großherzoglichen Hofes, Künstler, Naturliebhaber und -wissenschaftler (ko-)operieren auf verschiedenen Ebenen.

Die Auseinandersetzung mit den diversen Orten, Medien und Räumen verdeutlicht immer wieder, dass eine gegenseitige Bedingung und Durchdringung von Wissenschaftsdrang und fürstlichem Repräsentationswillen sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen schaffen konnte, die nicht unerheblich für die zeitgenössischen Entwicklungen innerhalb von Kunst und Kultur sowie den sicher herausbildenden Naturwissenschaften waren.

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